Sie sind hier: Startseite arrow Regatten arrow J/24 Weltmeisterschaft 2010 in Schweden
 
J/24 Weltmeisterschaft 2010 in Schweden

Vom 16.-20.08.10 fanden in Malmö/ Schweden die Weltmeisterschaften der J/24 statt. Das definitive Highlight der letzten zwei Jahre. Denn eine Weltmeisterschaft bietet stets ein ganz besonderes Ambiente. Der internationale Charme gepaart mit dem hohen seglerischen Niveau, welches eben nur eine WM bietet. 55 Teilnehmer hatten sich dieses Jahr zu dieser hochkarätigen Veranstaltung gemeldet.
Das Team MAX BAHR kam bereits am Freitag in Malmö an, um das Boot am Freitag durch die Vermessung zu bringen. Samstag und Sonntag sollte dann Training in dem Rennrevier stattfinden.
Leider zog sich das kranen am Samstag sehr lange hin. Als das Boot endlich segelfertig war und die fünf bereit für das Training, öffnete der Himmel seine Pforten und es brach ein unglaubliches Unwetter über Malmö herein. An segeln war nun nicht mehr zu denken. Selbst die Vermessung für die noch ausstehenden Boote musste unterbrochen werden und konnte außerplanmäßig erst am nächsten Tag wieder aufgenommen werden.
Der Sonntag beeindruckte zwar mit Sonnenschein, Wind hingegen fehlte komplett. Fast alle Crews saßen mit scharrenden Hufen im Hafen und warteten auf die erlösende Brise, welche ein Training möglich machen sollte. Auch das angesetzte Practice-Race musste aufgrund der Flaute verschoben werden.
Das Rennen wurde dann mit einiger Verspätung doch noch gestartet. Man konnte es jedoch nicht so 100%ig als Rennen bewerten, da die Windbedingungen doch sehr mau waren. Ein Weltmeisterschaftslauf wäre unter solchen Bedingungen wohl nicht gestartet worden. Dennoch wurde das Rennen von den Teilnehmern gerne als Generalprobe für den bevorstehenden Wettkampf angenommen.
Am Montag wurde es dann ernst: Starke ablandige östliche Winde bliesen den Seglern gleich am ersten Morgen die vielleicht noch vorhandene Müdigkeit des vorabendlichen Empfanges im Rathaus aus den Köpfen. Das erste Rennen des Tages wurde pünktlich gestartet. Traditionell war die Flotte bei dem ersten Start einer WM ein wenig übermotiviert. Es gab sofort einen Gesamtrückruf. Kommentar des Wettfahrtleiters über Funk: “I have seen the Pin- end behind all of you!“ - Offensichtlich ein sehr motiviertes Feld.
Der zweite Startversuch erfolgte unter Black-Flag. Das Team MAX BAHR startete recht mittelmäßig und suchte schnell den freien Wind, da sich doch ein paar Boote direkt davor befanden. Mit frischem, freien Wind ging es dann auf die rechte Seite der Startkreuz. Die rechte, dem Land nähere Seite, brachte mit flacherem Wasser dann einen kleinen Speed-Vorteil, da sich das Schiff nicht in der Welle festfuhr. Die erste Marke konnte vom Team MAX BAHR bereits in den Top Ten gerundet werden.
Der Spinnaker wurde gesetzt und nach einem kleinen Verholer entschied sich das Boot für die rechte Seite. Nach einer Halse fuhr die MAX BAHR parallel zum doch recht dicht beieinander segelnden Feld auf die rechte der beiden Leetonnen zu. Die Taktik sich etwas von Feld frei zu halten, zahlte sich aus, denn die kräftigen Böen konnten so optimal genutzt werden. Ein paar Boote konnte die MAX BAHR so noch auf dem Vorwindgang holen.
Nach der Rundung der Leetonne schlug sich die MAX BAHR auf die rechte Seite der Kreuz, da die Wettervorhersage eine kleine Tendenz zu Rechtsdrehern vorhergesagt hatte. Dies zahlte sich aus und so konnte die MAX BAHR die Luvtonne vor dem letzten Vorwindschenkel ins Ziel als fünfte runden. Den gesamten Schenkel hielt sich die MAX BAHR auf der rechten Seite im Gebiet des freien Windes. Der Wind legte im Verlauf des Vorwindganges noch einmal ein wenig zu und jagte der Crew noch ein zwei Mal einen gehörigen Schrecken in die Knochen, da eine Kenterung in Folge sehr kräftig einsetzender Böen doch manches Mal gehörig real erschien. Doch zum Glück konnte die MAX BAHR Crew die Ruhe bewahren und noch an Andrea Casale (ITA 461) vorbei ziehen und als vierte ins Ziel gehen.
Die Windstärke pendelte sich so zwischen 18 und 23 Knoten Wind ein und nach einer kleinen Pause konnte das zweite Rennen des Tages gestartet werden. Das Startprozedere lief, wenn auch imposant, bis ca 3 Minuten vor dem Start völlig normal ab. Doch dann brach plötzlich der Block des Baumniederholers. Es musste schnell ein Ersatzblock montiert werden. Und das mitten in der heißen Startphase! Der Start lief natürlich weiter und es musste neben den Reparaturarbeiten noch versucht werden einen halbwegs guten Start zu fahren. Dies gelang nicht recht und so wendete die MAX BAHR kurz nach dem Start auf die rechte Seite der Kreuz und begann eine Aufholjagd von ihrer hinteren Startposition.
Dank eines Rechtsdrehers auf der ersten Kreuz gelang dies auch sehr gut und die MAX BAHR kam wiederum innerhalb der dicht beieinander liegenden ersten zehn Boote an der Luvtonne an. Der Vorwindschenkel verlief sehr gut. Das Boot fuhr einen guten Speed und konnte sich am Ende eine Innenposition an der Leetonne heraus arbeiten, womit noch einige Boote hinter sich gelassen werden konnten. Die MAX BAHR entschied sich mit dem Kieler Woche-Sieger Ian Southworth (GBR 5219) zunächst ein wenig auf die linke Seite zu fahren um hier den erwarteten Linksdreher zu nutzen. Der Rest des Feldes war zum großen Teil um die linke Leetonne gefahren und befand sich somit auch auf der rechten Seite des Feldes. Die BSCer mussten sich entscheiden. Weiter den Dreher nutzen oder das Feld decken. Es wurde sich für die konservative Alternative entschieden und so fuhr auch die MAX BAHR einen langen Schlag auf die rechte Seite.
An der letzten Luvmarke dieses Rennens kam die MAX BAHR als vierte, dicht gefolgt von Tim Healy, an. Auf dem Vorwindschenkel musste die MAX BAHR ihren freien Wind gegen den immer wieder mal attackierenden Healy verteidigen. Dies gelang recht gut und so konnte die MAX BAHR die Leetonne immer noch als vierte mit einem kleinen Vorsprung auf Healy runden. Der Wetterbericht verhieß vor allem für die zweite Hälfte des Tages einen Dreher nach rechts, so dass die MAX BAHR sich wiederum für die rechte Seite der Zielkreuz entschied. Dies brachte die MAX BAHR zum Ende der Kreuz noch einmal dicht an die Führenden heran. Ian auf seiner GBR 5219 entschied sich zuvor schon auf dem Vorwindgang für die rechte Leetonne und somit für die linke Seite der Zielkreuz. Dieser Fehler wurde bestraft, denn die MAX BAHR setzte sich vor den Briten und wurden somit dritter in dieser Wettfahrt.
Die freudige Stimmung der MAX BAHR Crew erhielt an Land leider einen Dämpfer, als die Vorschiffsfrau Andrea Körner beim verlassen des Bootes ausrutschte und sich das Handgelenk so verletzte, dass sie für den Rest der Weltmeisterschaft nicht mehr mit segeln konnte. Es musste nun schnell Ersatz beschafft werden. Glücklicherweise konnte Max Bischof in Hamburg erreicht werden. Es setzte sich ohne zu zögern ins Auto und erreichte noch in der Nacht Malmö. Der Wechsel wurde bei der Wettfahrtleitung beantragt und genehmigt. Damit stand der weiteren Teilnahme nichts mehr im Wege.
Das Wetter am Dienstag schien wieder viel versprechend. Nachdem es am Montag Abend doch stark abgeflaut war, konnte auch am zweiten Renntag mit guten Bedingungen gerechnet werden. Das erste Rennen fand bei gutem Genuawetter statt. Somit gab es eine gute Eingewöhnung für Max, der sich mit der Crew und deren Abläufen erst vertraut machen mussten. In der Pause zwischen den beiden Rennen jedoch zog die erwartete Front auf. Sie kam etwas früher als erwartet. Kurz vor dem Rennen entschloss sich das Team MAX BAHR dann noch kurzfristig, auf die Fock zu wechseln, denn die Front hatte richtig Druck. Kurz vor dem Warning-Signal zur vierten Wettfahrt war auch das Rigg noch schnell umgetrimmt. Für Max war die Schon- und Eingewöhnungszeit damit vorbei. Es ging gleich in die Vollen. Der Wind hatte deutlich über 20 Knoten. Die einsetzende Welle machte ihr Übriges und wusch die Crew auf der Kreuz gut durch. Am Luvfass lag die MAX BAHR an dritter Position! Trotz der widrigen Bedingungen konnte unter diesen Gegebenheiten nicht darüber nachgedacht werden, den Spinnaker doch unten zu lassen (wie es übrigens ca. zwei Drittel des Feldes anschließend taten). Der Ritt ging los. Die gesamte Crew musste sich im Cockpit einfinden, damit der Bug des Bootes nicht unter schneidet. Am Leefass hatten die fünf ihre Geschwindigkeit leider etwas unterschätzt. Sie waren schneller an der Bahnmarke als erwartet und die Fock ging nicht rechtzeitig dicht. Ian Southworth (GBR) und Mike Ingham (USA) nutzten Ihre Chance und fuhren an den Jungs vorbei. Im Laufe des Rennens verlor das Team MAX BAHR noch drei weitere Schiffe. Doch auch mit einem achten Platz in diesem Rennen war das Team sehr zufrieden. Auf der Gesamtliste waren Sie somit am Ende des Tages zwei noch immer auf einem unglaublichen vierten Platz.
Am dritten Tag fuhr die J/24 des BSC zwei sechste Plätze. Die Sensation war für die Fünf schon jetzt perfekt. Denn solche Ergebnisse auf einer Weltmeisterschaft einzufahren, welch ein Erlebnis! Am Donnerstag gab es den bis dahin schlechtesten Tag auf See. Nach einem verkorksten Start konnte das Team leider nicht die eigene Taktik fahren, sondern musste auf die Kontrahenten reagieren. In dieser Folge wurden Sie zum Teil auf die falsche Seite geschickt, oder mussten unnötig viel Wenden, um in freien Wind zu kommen. Das nüchterne Ergebnis war ein 36ter Platz. Im zweiten Rennen kam noch ein 22ter hinzu. Dieser Platz zählte voll in die Wertung. Es gab nur einen Streicher trotz der angesetzten zehn Rennen. Die fünf BSCer ließen sich jedoch davon nicht beeindrucken und anstatt dem minder erfolgreichen Tag nachzutrauern machten Sie sich an die Vorbereitungen für den letzten und damit entscheidenden Renntag.
Es war perfektes Segelwetter. Das englische Wetter, welches die gesamte Woche dominiert hatte, wich strahlendem Sonnenschein. Ein gutes Ambiente für den Show-Down. Wie immer wurde der erste Start abgebrochen, weil das Feld partout nicht warten konnte und es eine Vielzahl an Frühstartern gab. Der zweite Start war daraufhin (inzwischen ebenfalls Routine) ein Black-Flag Start. Auch hier gab es einen Gesamtrückruf. Bange Minuten und dann die Gewissheit, dass die MAX BAHR, obwohl dicht an der Linie, nicht auf der Liste steht und somit das folgende Rennen mitfahren durfte. Den dritten Start konnte Peter Reggio letztendlich fahren lassen. Das Team MAX BAHR musste in diesem Rennen leider auf der dritten Reihe starten. Denn der Pulk in welchem sich das Boot befand hatte sich frühzeitig in Bewegung gesetzt. Die BSCer entschieden sich, nicht mitzuziehen, da sie freie Sicht auf das Pinnend hatten und damit sicher als Frühstarter erkannt worden wären.
Glücklicherweise tat sich noch eine Lücke auf und die MAX BAHR konnte mit einem sehr überzeugenden Speed seine schlechte Position wesentlich verbessern und als siebtes Boot ums Fass gehen. Auf den nun folgenden drei Schenkeln konnte durch eine starke Taktik durch die Taktiker Tim Habekost und Jonathan Huth noch zwei Boote überholt werden. Ein fünfter Platz gab somit einen guten Auftakt für den letzten Tag. Im zweiten Rennen hatten die fünf dann weniger Glück und mussten sich mit einem 24ten Platz zufrieden geben.
Die Serie an guten Rennen (4, 3, 10, 8, 6, 6, (36), 21, 5, 24) bescherte dem Team MAX BAHR einen unglaublichen siebten Gesamtplatz in dieser hochkarätig besetzten WM. Etliche Proficrews konnten hinter sich gelassen werden. Es ist das beste deutsche Ergebnis auf einer J/24 WM aller Zeiten. Das Team ist unglaublich glücklich, so eine tolle Serie gesegelt zu sein. Aber auch das Team ROTOMAN auf Platz zwölf konnte deutlich überzeugen. Der BSC stellt damit die besten beiden deutschen Schiffe dieser WM. Ein beeindruckender Beweis für die Leistungsstärke dieser Sparte.

Hier gibts Bilder  des Veranstalters und Ergebnisse.

 
weiter >